
| Trebur schlägt Rom und Athen Spass uff de Gass: Wenn die Gewerbetreibenden zur großen Freiluftschau rufen, spielt die Sonne regelmäßig mit TREBUR. Flanieren, zu Deutsch umherschlendern, das ist ein Wort, das man in Trebur eigentlich nicht kennt. Doch einmal im Jahr ist alles anders. Einmal im Jahr verwandelt sich die Hauptverkehrsader der Schwarzbachgemeinde in eine riesige Fußgängerzone. Auf Haupt- und Rüsselsheimer Straße ist kein Platz mehr für Autos. Tische, Bänke, Essensstände, Verkaufsstände und Bühnen prägen das Bild. Es ist wieder Spass uff de Gass" und in diesem Jahr hat Trebur sogar Athen, Rom, Nizza und Mallorca in den Schatten gestellt, zumindest was die Temperaturen angeht. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und Temperaturen bis zu 25 Grad Celsius bescherten dem Gewerbeverein mit seinem bunten Treiben Besucherrekorde. Schätzungsweise 10 00 Gäste hatten ihren Spass uff de Gass. Eigentlich ist es kaum zu glauben, seit sieben Jahren haben die Gewerbetreibenden bei ihrer Schau Glück mit dem Wetter. Sobald am Samstag der erste Stand steht, scheint die Sonne und das Thermometer steigt. Der Gewerbeverein war wie immer hoch zufrieden. Aber nicht nur das Wetter konnte sich sehen lassen. 58 Geschäfte präsentierten sich und ihre Waren und Dienstleistungen. Zudem bot der Gewerbeverein ein buntes Programm auf drei Bühnen. Waltraud Lautz von der musikalischen Früherziehung eröffnete das Programm mit 55 Kindern auf der Bühne. Es folgten die Singgruppe Jonathan" zusammen mit den Nauheimer Jakobus Spatzen und die Hundefreunde. Das Abendprogramm war ebenfalls ein voller Erfolg. Dabei standen ein spanischer Abend mit der Band Hispanos oder ein Country- und Schlagerabend mit Bodo Henkel, Klaus Densow und Anne Lindt und Kim Bennett zur Auswahl. Anschließend lud Dieter Adam zur hessischen Party. Es schien, als sei ganz Trebur auf den Beinen gewesen. Bei milden Temperaturen schlenderten viele über die Hauptstraße, setzten sich mal hier hin oder tranken dort noch eine Kleinigkeit. Die Kinder genossen die autofreien Straßen und tollten herum. Am Sonntag lockte zusätzlich Variete-Künstler Claus Augenschmaus auf einer eigenen kleinen Bühne vor der Apotheke. Er begeisterte vor allem die jüngsten Zuschauer mit viel Musik. Am alten Rathaus sang der Chor Alle für Alle" und auf der Hauptbühne bezauberten Modenschauen mit Röhrenjeans und Longshirts. Dort heizten zudem Trewwerer Drummler, Afrikanische Trommeln und Tanzgruppen den Zuschauern ein. Außerdem zeigten die Kinder des Kindergarten Tannenwegs ihr Können. Als eines der jüngsten Mitglieder im Gewerbeverein war die Firma Fliesen Wunsch" zum ersten Mal dabei. Geschäftsführer Andreas Knauf zeigte sich zufrieden mit der Resonanz. Wir sind hier auf Kundenfang", meinte er. Das Geschäft wolle sich den Leuten einmal vorstellen und noch etwas bekannter werden. Insgesamt sei das gut gelungen. Vor allem die kleine Cocktailbar am Stand kam bei den Besuchern sehr gut an. Schon etwas länger dabei ist die Firma Fahrrad Claus. Jedes Jahr stellt sie auf dem Penny-Parkplatz Spezialräder aus. Darunter in diesem Jahr eine Messeneuheit: das Aufrechtrad mit besonders aufrechter Sitzposition. Unter den vielen Spezialrädern waren ein Tandem mit einer liegenden und einer sitzenden Position und ein elektrounterstütztes Liegedreirad besondere Hingucker. Beim Fahrradflohmarkt verkauften sich allein am Samstag Räder im Wert von 1000 Euro. Davon gehen nun 100 Euro an den Förderverein der Grundschule. Der Verkauf ging am Sonntag weiter. Wie in jedem Jahr lud der Künstlerkreis zum Tag der offenen Tür" ins Haus der Vereine. Mit zahlreichen Bildern hatten sie den Raum bunt dekoriert. Farbenfrohe Herbstmotive, klassische Landschaftsbilder und Portraits stellten sie aus. Außerdem zeigten sie verschiedene Techniken und standen für Fragen zur Verfügung. Wir haben in diesem Jahr viel Acryl auf Leinwand gemalt", meinte Elke Ruhland und lud die Besucher zum Künstlermarkt am ersten Novemberwochenende ins Rathaus ein. Sonja Friedrich 24.9.2007 Ein Ochse aus Bayern macht 600 Gäste satt Lothar Petri erfüllt sich schon zum zweiten Mal einen Kindheitstraum TREBUR. Einen Kindheitstraum erfüllte sich Metzger Lothar Petri nun schon zum zweiten Mal. Er konnte seinen Kunden am Sonntag Ochs am Spieß" verkaufen. Ich weiß von Erzählungen her, dass mein Opa damals, als der Rhein zugefroren war, auf dem Eis einen Ochsen gegrillt hat. Seither wollte ich das auch schon immer mal machen", berichtete er. Dieser Opa, Christian Petri, war es auch, der 1927 den Familienbetrieb gründete. Im vergangenen Jahr war es dann soweit. Beim Treburer Volksfest bestellte er einen Ochsen. Das Ganze war ein so großer Erfolg, denn der Ochse war bereits um 16 Uhr von den Besuchern verputzt, dass es in diesem Jahr einen noch größeren Ochsen gab. Die ersten Vorbestellungen gab es bereits im Vorfeld der Gewerbeschau. Sonntags um vier Uhr nachts wurde der Ochse fix und fertig aus Bayern angeliefert und musste dann nur noch am Gasgrill befestigt werden. Den Grill mieten wir, dazu gibt es noch zwei Mann Personal, die man mitmieten muss. Die kümmern sich um den Ochsen und schneiden auch die Portionen heraus", erklärte Doris Petri. Von halb fünf bis elf Uhr mittags wurde der mit einer Marinade eingepinselte Ochse gegrillt und war pünktlich zum Mittagessen fertig. Lothar Petri hielt die ganze Nacht Wache und schaute dem Fleisch beim Drehen zu. Für jeden Geschmack hatte das Rindvieh etwas zu bieten. Durchwachsene, saftige und magere Stücke, sowie Roastbeef konnten sich die Gäste wünschen. Die Filetstücke waren allerdings von Anfang an nicht mehr dabei. Es wird hier keiner bevorzugt, jeder bekommt, wenn möglich das Stück, das er sich wünscht. Schlechte Stücke gibt es nicht", betonte Doris Petri. Insgesamt konnte der Ochse am Sonntag rund 600 hungrige Mägen füllen. Mit Spaß dabei Unternehmen: Matthias Hahn stellt zum ersten Mal aus und dann gleich einen Hingucker TREBUR. Ein 1,4 Tonnen schwerer Elefant thronte ganz oben auf dem Sandhügel. Rundherum spielten kleine Bären. Man hätte fast meinen können, in der afrikanischen Savanne zu sein. Tatsächlich war das ganze auf einem Lkw der Firma König Baustoffe zu sehen. Und dieser eine Anhänger war Geschäftsführer Matthias Hahn noch nicht genug. Auf einem zweiten türmten sich terrakottafarbene und gelbliche Steine zu einem riesigen Hügel, auf dem Ziege und Esel herumtollten und dabei von Frosch und Eule beobachtet wurden. Die Mühe, die die Gestaltung der beiden Anhänger gemacht hat, war auf den ersten Blick zu erkennen. Wenn wir uns hier präsentieren, dann machen wir das auch professionell", begründete Hahn die Aufbauten. Erstaunlich war, dass es nur etwa drei Tage gedauert hat, bis die Hänger so präpariert waren. Der Steinelefant wurde dabei mit einem Gabelstapler auf Europaletten gehievt. Die waren mit Vlies überzogen, so blieb der Sand darauf haften. Hätten wir den ganzen Berg mit Sand aufgeschüttet, wäre er viel zu schwer geworden. So sind es statt der 13 höchstens drei Tonnen Sand", erklärte der Fachmann. Insgesamt waren die Ausstellungsstücke, die auch zum Verkauf standen, etwa 9000 Euro wert. Lange blieb Hahn aber nicht Besitzer der Figuren und Statuen. Schon nach einer Stunde waren zahlreiche Unikate verkauft. Die Ideen stammen vom Chef selbst. Das ist schließlich unser Job, wir wollen die Leute inspirieren", merkte er an. Die wüssten teilweise gar nicht, was heutzutage alles möglich ist, in Sachen Gartengestaltung. Deshalb hat er sich bewusst für die Tiere entschieden und zeigte keine Platten, Steine oder ähnliches. Er wollte der Hingucker sein und das ist ihm auch gelungen. Am liebsten hätte er auch noch Wasserfälle und Beleuchtung eingebaut, doch das hätte den Rahmen gesprengt. Der Baustoffhandel war in diesem Jahr zum ersten Mal beim Spass uff de Gass" dabei. Ich habe mich die ganzen Jahre immer etwas gescheut vor dem Aufwand", erklärte Hahn. Die Vorplanung habe schon etwa neun Wochen gedauert. Doch mittlerweile macht es ihm und seinem Team sichtlich Spaß. Es ist wie ein Betriebsausflug und hat sich schon gelohnt", sagte er am Samstag fröhlich. Das Team aus sieben Leuten stand für alle Fragen zur Verfügung. Siebte Auflage noch bunter denn je Tausende Besucher hatten am Wochenende wieder "Spass uff de Gass" bei der Veranstaltung des Gewerbevereins mit verkaufsoffenem Sonntag. Bei Bilderbuchwetter bot die siebte Neuauflage noch mehr Attraktionen als ihre Vorgängerinnen. Hauptstraße und Rüsselsheimer Straße waren autofreie Flaniermeilen, auf denen sich Straßencafés und Biergärten aneinander reihten. Überall wurden kulinarische Köstlichkeiten bereit gehalten. Pünktlich zum Mittagessen am Sonntag war auch ein Ochse am Spieß gar, der sich schon ab sechs Uhr am Morgen auf dem Spieß gedreht hatte. Der Ochse hatte ein Gewicht von 240 Kilo und ergab 400 Portionen. So ein Tier wird heutzutage ohne Kopf und Beine auf den Spieß gesteckt. "Nur die Edelteile werden gegrillt", verriet Metzgermeister Lothar Petri, der mit seinen Helfern seit 4 Uhr bei der Arbeit war. Wer wollte, konnte auch Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen. Schreinermeister Heinrich Ebenhöh schnitzte und die Dachdecker der Firma Falter bearbeiteten Schiefereindeckungen. Besonders viel Mühe hatten sich die Firmen mit ihren Präsentationen gegeben, die sich auf Blumen, Gartengestaltung, Landschaftsbau, Wasserspiele, Baustoffe und Fliesen spezialisiert haben. Bei ihnen wurden auch die meisten Fachgespräche mit potenziellen Kunden geführt. Das gleiche traf unter anderem für die Sparten Radio und Fernsehen, Elektro, Heizungsbau, Autos, Strom, Gas, Wasser, Versicherungen, Renovierungen, Fahrräder, Computer, Freizeitsport, Geldinstitute, Immobilien, Foto, Schmuck und Brillen zu. Weil in genau drei Monaten Weihnachten ist, konnte man sich über eingetroffene Krippen aus dem Grödner Tal und erzgebirgische Schwippbögen informieren. Bei einigen Firmen gab es Sonderaktionen, die ebenfalls Interessierte anzogen. Die Modebranche demonstrierte sich mit zwei stürmisch beklatschten Modeschauen, bei denen Menschen wie du und ich als Modells über den Laufsteg schritten und unter Beweis stellten, dass diese Mode auch tragbar ist. Dem leiblichen Wohl wurde auf vielfältige Weise genüge getan. Lebensmittelhändler, Bäcker, Metzger und Gastronomen boten das Beste aus Küche und Keller auf. Darunter auch Bio-Produkte. An Ort und Stelle wurde gekeltert und frischer Most verkauft. Kinder konnten Karussell fahren, in Kisten rutschen, auf Hüpfburgen tollen, am Luftballonwettbewerb teilnehmen, sich vom Aktionskünstler Klaus Augenschmaus begeistern lassen. Ein Anziehungsmagnet war das DRK-Kuscheltierkrankenhaus. Kinder trugen auch selbst zum Bühnenprogramm bei. Da sah man die Gruppen, die Waltraud Lautz musikalisch erzieht, Mädchen und Buben der katholischen Kirchengemeinde und der Kita Tannenweg, aber auch Tanzgruppen des TV 1886 Trebur, des Sport-Paradieses und des SV 07 Geinsheim. Für Unterhaltung sorgten auch der Sportverein für Hundefreunde, die "Trewwerer Drummler", afrikanische Trommeln und eine Bauchtanzgruppe. Partystimmung herrschte am Samstagabend rund um die Bühne auf der Hauptstraße und jene vor dem historischen Rathaus. Hier unterhielten bekannte Künstler das gut gelaunte Publikum, das besonders dicht gedrängt der Band "Hispanos" lauschte, die spanisches Flair verbreitete. Enttäuscht waren viele Besucher über den Auftritt des Alleinunterhalters Dieter Adam. Ihn hätte man lieber als Vorgruppe gehört. Dennoch wurde bis in den frühen Morgen gefeiert. Von Renate Danker |
||